Hugendubel - Die Welt der Kinder

Exklusiv-Interview mit Annika Lau „Das Leben mit einem ADHS-Kind ist jeden Tag wie eine Wundertüte“ Die Moderatorin Annika Lau will mit ihrem Buch über die neurologische Krankheit ihres Sohnes Verständnis auch für andere Betroffene wecken Wie ging es Ihnen, als erstmals der Verdacht geäußert wurde, Ihr Sohn könnte ADHS haben? Das erste Mal ADHS habe ich ja direkt mit der Diagnose gehört. Vorher hatten wir zu tun mit der sensorischen Integrationsstörung und Hilfestellung in jedweder Art und Weise. Ich erinnere mich noch, dass ich mich gefühlt habe wie eine Versagerin. Als hätte ich als Mutter etwas falsch gemacht. Dabei ist das ja keine falsche Erziehung, es ist eine neurologische Krankheit, die vererbt wird. Was hat sich durch die ADHS-Diagnose für Sie als Familie verändert? Wir mussten mehr Verständnis füreinander entwickeln. Das Leben mit einem ADHS-Kind ist jeden Tag wie eine Wundertüte. Du weißt nie, was du bekommst. Manchmal hast du ein gelassenes, witziges Kind. Und manchmal ein komplett verängstigtes, scheues Kind. Was aber immer der Fall ist: Es ist lauter als in anderen Familien. Und es wird viel diskutiert. Denn die anderen beiden Kinder fordern ja auch ihr Recht auf Mamazeit ein. Wie geht Ihr Sohn selbst mit der Diagnose um? Mein Sohn ist einfach ein erstaunliches Kind. Er nimmt ADHS oft selbst wahr und kann fantastisch benennen, wie es ihm in den jeweiligen Situationen geht. Das hilft uns allen weiter und ist seiner therapeutischen Unterstützung zu verdanken. Wenn er seine Unruhe fühlt, weiß er gut damit umzugehen. Er ist sehr sportlich und eigentlich den ganzen Tag draußen. Bewegung ist für ihn alles! Was hat Ihrem Sohn – und Ihnen als Familie – im Alltag mit ADHS am meisten geholfen? Struktur. Mit einem sehr engen Strukturkorsett weiß jeder genau, was wann zu tun ist. Daran kann sich Baz orientieren. Das gibt ihm Sicherheit und uns erspart es die ein oder andere Diskussion. Das hilft dem Familienfrieden SEHR! Wie erleben Sie das Verständnis im Umfeld – und was hilft, damit mehr davon entsteht? Mein Parade-Hass-Beispiel ist essen gehen. Natürlich ist das speziell für meinen Sohn herausfordernd. Er gibt sich Mühe, aber trotzdem kommen durch den ungewohnten Ort Unruhe und Zappeligkeit auf. Dann muss er erstmal gucken gehen, wie und wo er genau ist. Gern auch unter dem Tisch. Dann fällt vielleicht noch ein Glas um. Die Beine knallen aus Versehen lautstark an den Stuhl oder Tisch und schon drehen sich Leute um und schütteln den © Sebastian Knoth für ZS/Edel Verlagsgruppe ANNIKA LAU, geboren 1979, ist bekannt als Fernseh- und Radiomoderatorin. Sie arbeitete 16 Jahre bei Sat.1 und moderierte unter anderem das Frühstücksfernsehen. Danach wechselte sie zu RTL und war von 2022 bis 2026 Moderatorin von Gala. Annika Lau ist mit dem Schauspieler Frederick Lau verheiratet. Das Paar hat eine Tochter und zwei Söhne. „Mein Sohn ist einfach ein erstaunliches Kind.“ „Es ist lauter als in anderen Familien. Und es wird viel diskutiert.“ „Ich wünschte mir mehr Verständnis für besondere Kinder. Sie können nicht anders!“ 26

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